Externalisierte Migrationspolitik zu kurz gedacht: Die Folgen langer Zwischenaufenthalte in der Türkei für die Integration syrischer Geflüchteter in Österreich

Externalisierte Migrationspolitik zu kurz gedacht: Die Folgen langer Zwischenaufenthalte in der Türkei für die Integration syrischer Geflüchteter in Österreich

Dieser Policy Brief untersucht die Folgen der Externalisierungsstrategie der Europäischen Union in der Türkei auf die (Arbeitsmarkt-)Integration syrischer Geflüchteter in Österreich. Ziel der Migrationspolitik ist es, Schutzsuchende zum Verbleib in der Türkei zu bewegen und irreguläre Weiterwanderung in die EU zu reduzieren. Die Ergebnisse zeigen allerdings, dass diese Strategie auf lange Sicht nicht effektiv ist. Seit 2021 ist erneut ein deutlicher Anstieg syrischer Geflüchteter in westeuropäischen Aufnahmestaaten wie Österreich zu verzeichnen. Im Unterschied zur Kohorte der Jahre 2015/2016, in der viele direkt aus Syrien einreisten, haben zahlreiche neu angekommene Personen langjährige Zwischenaufenthalte in der Türkei hinter sich. In diesem Zeitraum erlebten viele Syrer:innen eine kontinuierliche, institutionalisierte Unsicherheit, bedingt durch einen provisorischen Rechtsstatus, erzwungene Rückführungen, Mobilitäts- und Arbeitsmarktbeschränkungen, Diskriminierungserfahrungen, ungenügendem Zugang zum Bildungssystem sowie Unklarheiten über langfristige Bleibeperspektiven. 

Diese Faktoren wirkten nicht nur als Treiber für die Weiterreise in die EU, sondern haben auch erhebliche negative Folgen für psychische Gesundheit, Bildungsbiografien und Erwerbsverläufe. 

Die Analyse argumentiert, dass die EU-Externalisierungspolitik langfristig nicht zu geringeren, sondern zu erhöhten Integrationskosten in EU-Aufnahmestaaten führt. Für die rezente Kohorte ergeben sich ein über klassische Integrationsmaßnahmen hinausgehender Unterstützungsbedarf, insbesondere im psychosozialen Bereich, sozialarbeiterischer Begleitung sowie im Bereich der Basisbildung.  

Die Ergebnisse basieren auf qualitativen Interviews und Fokusgruppendiskussionen (FGDs) mit syrischen Geflüchteten sowie auf Expert:inneninterviews mit Fachkräften aus dem Migrationsbereich. 

 

This policy brief examines the consequences of the European Union’s externalisation strategy in Turkey for the (labour market) integration of Syrian refugees in Austria. The aim of this migration policy is to encourage protection seekers to remain in Turkey and to reduce irregular onward migration to the EU. However, the findings indicate that this strategy has proven ineffective in the long term. Since 2021, there has been a renewed and significant increase in the number of Syrian refugees arriving in Western European receiving countries such as Austria. Unlike the 2015/2016 cohort, many of whom entered directly from Syria, a considerable share of recently arrived refugees had spent extended periods in Turkey prior to their onward migration. 

During this time, many Syrians experienced continuous, institutionalised insecurity, resulting from a temporary legal status, forced returns, restrictions on mobility and access to the labour market, experiences of discrimination, insufficient access to the education system, and uncertainty regarding long-term prospects of stay. These factors not only acted as drivers of onward migration to the EU but also had substantial negative effects on mental health, educational trajectories, and employment pathways. 

The analysis thus argues that the EU’s externalisation policy does not lead to lower integration costs in the long run, but rather to increased costs for EU receiving states. For the recent cohort, there is a need for support measures that go beyond classical integration policies, particularly in the areas of psychosocial care, social work assistance, and basic education provision. 

The findings are based on qualitative interviews and focus group discussions (FGDs) with Syrian refugees, as well as expert interviews with practitioners working in the field of migration. 

Das Policy Brief kann HIER heruntergeladen werden. 

Foto: Anatolian Agent on Wikimedia Commons, Creative Commons Attribution-Share Alike

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